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„Ein Anziehungspunkt, der seinesgleichen sucht"

Staatsministerin Kühne-Hörmann eröffnet die restaurierten Säle im Arkadenbau des Staatsparks Wilhelmsbad
Wiesbaden/Hanau:
Die historischen Säle im Arkadenbau des Staatsparks Wilhelmbad in Hanau - traditioneller Ort des Feierns und der Geselligkeit nicht nur der Hanauer Bürgerinnen und Bürger - strahlen wieder in ihrer ursprünglichen Fassung von 1780. In drei Bauabschnitten ist das zentrale Gebäude der zwischen 1777 und 1785 entstandenen Anlage für insgesamt mehr als zehn Millionen Euro saniert und restauriert worden.

„Mit Wilhelmsbad und seinem Ensemble von historischer Parkanlage, Veranstaltungssälen, historischem Theater und Karussell besitzt die Rhein-Main-Region einen wunderbaren Anziehungspunkt, der seinesgleichen sucht", sagte Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann bei der Eröffnung der Säle und fügte hinzu: „Das Resultat der vierjährigen Arbeit am Arkadenbau kann sich sehen lassen. Die Säle vermitteln wieder den Glanz, den zum Beispiel Königin Luise von Preußen beim Besuch mit ihrem Mann, König Friedrich Wilhelm III., in Wilhelmsbad 1803 erlebte."

Die Bade- und Parkanlage Wilhelmsbad wurde ab 1777 auf Befehl des von 1764 bis 1785 in Hanau residierenden Erbprinzen und regierenden Grafen von Hanau, des späteren Wilhelm IX. von Hessen-Kassel (1743-1821), errichtet. Finanziert wurde der Bau mit seinem weitläufigen Park durch die Vermietung hessischer und Hanauer Soldaten an den englischen König Georg III., den Onkel des Erbprinzen. 1785 zog Wilhelm IX. als Nachfolger seines Vaters Friedrich II. als Landgraf von Hessen-Kassel nach Kassel. Als Jahre später dann auch noch die Quelle versiegte, fiel Wilhelmsbad in einen Dornröschenschlaf - wodurch allerdings die Anlage kaum verändert bis heute erhalten blieb.

Die Säle waren 1780 an den schon vorhandenen Arkadengang angebaut worden: im Osten der größte Saal, der Speise- und Tanzsaal, im Westen ein kleinerer, quadratischer Saal, der Spiel- oder Billardsaal, und in der Mitte ein weiterer, ebenfalls etwa quadratischer Spielsaal. Während der Restaurierungsarbeiten wurde dort auch der ursprüngliche Brunnen wiederentdeckt. Er wird, mit einer Glasplatte abgedeckt, sichtbar bleiben.

Bei der 2006 begonnenen Sanierung des Arkadenbaus sind zunächst die massiven statischen Probleme des auf einem Steinbruch errichteten Gebäudes behoben worden. So wurde die Decke über den Sälen mittels einer komplexen Stahlkonstruktion nach oben gezogen. Durch die ebenfalls erforderliche statische Unterfangung des Gebäudes wurde eine Teilunterkellerung erreicht, so dass Garderobe und Toiletten nun im Untergeschoss untergebracht sind.

Anschließend wurden die stark in Mitleidenschaft gezogenen einstigen Gästezimmer im ersten Stock des Arkadenbaus hergerichtet, die heute das Hessische Puppenmuseum beherbergen. Dort wurden nachträglich eingezogene, störende Zwischenwände entfernt, zugemauerte Türen geöffnet und der historische Grundriss mit dem großen Flur in der Mitte ebenso wiederhergestellt wie die Enfiladen. So nennt man die Aneinanderreihung von Räumen, bei denen die Türöffnungen exakt gegenüber liegen, so dass man bei geöffneten Türen vom ersten bis zum letzten Raum blicken kann. An diesem Bauabschnitt hatte sich die Stadt Hanau mit 100.000 Euro beteiligt.

Jetzt sind auch die Säle von Kirchenmalern in Annäherung an den ursprünglichen Zustand rekonstruiert worden. Sie waren einst mit einer Säulenmalerei ausgestattet, die schon 1817 verändert wurde. Damals wurden eine kniehohe hölzerne Wandvertäfelung eingebaut und die Wände mit Papiertapeten tapeziert. Weitere Veränderungen und Umbauten erfolgten 1847 und 1911. Restauratorische Voruntersuchungen ergaben, dass von den verschiedenen Tapezierungen kaum etwas übrig geblieben war; auch von der Jugendstil-Bemalung 1911 waren kaum noch Spuren vorhanden.

Gute Befunde gab es dagegen von den ursprünglichen Wandmalereien der Bauzeit 1780. „Die Entscheidung fiel also zugunsten der Rekonstruktion, weil Park und Gebäude von Wilhelmsbad seit dem Umzug des Erbprinzen nach Kassel 1785 kaum verändert worden waren und so das Äußere mit dem Inneren wieder eine Einheit bilden kann", hob Ministerin Kühne-Hörmann hervor. Die Sanierung der Säle schlägt allein mit knapp 4,3 Millionen Euro zu Buche.

Zu den genannten Gesamtinvestitionen von gut zehn Millionen Euro in den Arkadenbau kommen weitere Aufwendungen des Landes für Wilhelmsbad hinzu: Für 1,1 Millionen Euro sind Abwasserleitungen und Wasserversorgung erneuert worden. Quer durch den Park mussten diese Ver- und Entsorgungsleitungen verlegt werden, was zur Folge hatte, dass zahlreiche Wege neu aufgebaut wurden. Darüber hinaus hat die Schlösserverwaltung aus eigenen Mitteln den Teich entschlammt, das Stauwehr komplett neu gebaut und die gesamte Situation rund um die Burginsel neu angelegt.

Die Wiederherstellung des Karussells, des vielleicht ältesten erhaltenen stationären Karussells überhaupt, wird von einer Bürgerinitiative und der Stadt Hanau erheblich unterstützt. Hier finden gerade die Submissionen zur Auswahl der Baufirmen statt. Noch im Herbst sollen die Arbeiten beginnen, nachdem das sehr komplexe und technisch anspruchsvolle Bauwerk vorher genau erforscht wurde.

Zu der vorgesehenen Sanierung der an den Arkadenbau angrenzenden so genannten „Großen Wirtschaft" sagte die Ministerin, dass die dafür nötigen Unterlagen zurzeit geprüft würden. Wann darüber entschieden werde, lasse sich wegen der gravierenden finanziellen Schwierigkeiten der öffentlichen Hände im Moment allerdings nicht sagen.

Die Stadt Hanau und die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten haben eine enge Kooperation beschlossen, um die gesamte Anlage von Wilhelmsbad - Park, Arkadenbau, Museum in der Burgruine, Puppenmuseum, Karussell und Comoedienhaus - gemeinsam aus einer Hand zu vermarkten. So wird die Comödienhaus-Gesellschaft auch die Säle im Arkadenbau vermitteln, die von sofort an wieder für Feiern und Veranstaltungen gemietet werden können.



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Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst


26.08.2010

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