Trauer-Tag
Bad Vilbel: Als vor einigen Monaten ein ebenso fanatischer wie gewalttätiger Norweger kaltblütig und berechnend Menschen ermordete, da trauerte anschließend ein ganzes Land. Norwegen war in Trauer. Es war echte Volkstrauer. Beeindruckend war das Meer von Blumen als Antwort des Lebens auf den vielfachen Tod. Aber doch blieben Fassungslosigkeit und Trauer, die ein ganzes Land erfasst hatten.
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Pfarrer Klaus Neumeier |
Am Sonntag ist in Deutschland Volkstrauertag. Gott sei Dank haben wir in 2011 kein vergleichbares Massaker in unserem Land miterleben müssen; Gott sei Dank. Aber trotzdem erinnert uns der jährliche Volkstrauertag an vergangenes Leid, das tausendfach, ja millionenfach über unser Land gekommen ist. Am Volkstrauertag wird nicht nur im Deutschen Bundestag der Toten der Weltkriege gedacht, sondern auch in den Städten unseres Landes, auch in Bad Vilbel.
Vieles ist dabei anders als in Norwegen, vor allem fehlt die aktuelle Betroffenheit. Die Weltkriege sind viele Jahrzehnte vorbei und es werden immer weniger, die sie selbst miterlebt haben. Seit 1918 bzw. seit 1945 konnten viele Wunden heilen. Und doch sind Narben geblieben. Besonders im Alter beginnen sie bei vielen wieder zu schmerzen. Die Leiden des Krieges haben Menschenleben geprägt und verändert, egal wie lange das her ist. Sich daran zu erinnern ist heilsam bis heute.
Aber es ist gut, wenn es in einem anderen Grundton geschieht als am Vilbeler Denkmal im Kurpark. Dort ist noch vom Heldengedenken die Rede - lange hieß der „Volkstrauertag" dem entsprechend „Heldengedenktag". Gedanken an Krieg und Leid, Holocaust, Vertreibung und massenhaften Tod aber wecken in mir kein Heldengedenken, sondern Traurigkeit und Wut - und ich bin sicher: nicht nur bei mir. Es ist gut, dass sich in unserer Gesellschaft unsere Einstellung zu Krieg gewandelt hat. Das Denkmal im Kurpark ist ein Relikt vergangener Zeiten. Es hat als geschichtliches Denkmal seine Bedeutung. Aber es wäre gut, wenn es ergänzt würde um unsere gemeinsame gewandelte Haltung zu Krieg.
Und doch ist es gut, wenn wir an diesem Wochenende der Opfer von Krieg und Gewalt gedenken und uns damit zugleich immer neu mahnen lassen, alles uns Mögliche zu tun für Frieden und Gerechtigkeit unter den Menschen aller Völker. Die Trauer um die Opfer der vergangenen Kriege führt mich zum Mitleid mit allen Opfern von Krieg und Gewalt unserer Tage - in Norwegen und viel zu vielen anderen Orten dieser Welt. Die Trauer führt mich zum lauten Ausruf: „Nie wieder Krieg!" und zum ganz persönlichen Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden in unserer Welt.
Pfarrer Klaus Neumeier,
Evangelische Christuskirchengemeinde
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| Evangelische Christuskirchengemeinde |
13.11.2011
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