Ausstellung läuft bis zum Frühjahr 2011
Bad Homburg: Aufwärts sollte es gehen im Nachkriegsdeutschland - und voran. Der Wiederaufbau, das Wirtschaftswachstum erforderten Mobilität und natürlich wollten die Menschen auch in ihrer Freizeit bequem von Punkt A nach Punkt B gelangen. Anfangs beschied man sich mit motorisierten Zweirädern, aber die Sehnsucht nach einem Dach über dem Kopf, nach mindestens drei, wenn nicht vier Rädern, kurzum nach einem Auto wuchs.
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Goggo T250 Piccolo-Wohnwagen |
Nur erschwinglich sollte es sein. So begannen denn „Vespen, Tiger, Spatz & Co." als „Kreaturen des Wirtschaftswunders" Deutschland zu bevölkern. Heute rufen sie Erinnerungen wach, Begeisterung dafür, mit welch einfachen Mitteln, jedoch viel Kreativität Kraftfahrzeuge entstanden. Sie zaubern ein verzücktes Lächeln auf die Lippen. Eben das möchte die CENTRAL GARAGE in Bad Homburg mit ihrer neuen Ausstellung erreichen. Rund 30 Vespas und etwa 15 Klein- und Kleinstwagen, darunter natürlich einige Raritäten, sind in dem Automobilmuseum am Niederstedter Weg 5 bei freiem Eintritt zu sehen. Bis zum Frühjahr 2011 - wobei im Lauf der Monate einzelne Exponate ausgewechselt werden, so dass es immer wieder Neues zu entdecken gibt.
Hinter den Ausstellungsstücken stehen Geschichten, wie sie nur das Leben eines zerstörten, ausgelaugten Landes schreiben konnte. Zum Beispiel die von Paul Kleinschnittger. Alte Flugzeug- und Motorradteile hatte er gesammelt und baute daraus nach der Währungsreform einen Kleinstroadster. Der erregte so viel Aufmerksamkeit, dass sich ein betuchter Hamburger Kaufmann mit dem Sauerländer zuammentat und in die Serienfertigung investierte. Der Kleinschnittger F 125 kam 1950 auf den Markt. 4,5 PS stark, bis zu 70 km/h schnell, gerade einmal 150 kg leicht. Ohne Anlasser, ohne Kardanwelle, ohne Differenzial und ohne Rückwärtsgang. Man konnte das Wägelchen ja einfach herumheben!
Egon Brütsch hieß ein weiterer Pionier. Gleich zwei seiner selten zu sehenden, skurrilen Konstruktionen stehen in der CENTRAL GARAGE: der winzige Mopetta von 1957 und der Spatz 200 von 1956. Nur noch fünf der ursprünglich 14 Exemplare des einsitzigen Dreirads Mopetta blieben erhalten. Der Plan, die „rollende Einkaufstasche" von den Bad Homburger Motorradwerken „Horex" in Lizenz fertigen zu lassen, ließ sich nicht verwirklichen. Der Spatz 200 entstand zwischen 1956 und 1958 in einer Stückzahl von 859. Die offene Karosserie aus Polyesterharz hat keine Türen und bietet drei Personen Platz, die nach der damaligen Werbung „ganz bequem" nebeneinander sitzen können.
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| Central Garage |
09.08.2010
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