Filme, Selbstportraits und Fotos von Edvard Munch in der Kunsthalle Schirn
Frankfurt: Am 9. Februar startet mit „Edvard Munch. Der moderne Blick" in der Schirn Kunsthalle die erste große Munch-Ausstellung im deutschsprachigen Raum seit 15 Jahren. Die Schau wird organisiert vom Centre Pompidou - Musée national d'art moderne in Paris, in Kooperation mit dem Munch-Museum in Oslo und in Zusammenarbeit mit der Schirn Kunsthalle.
Es ist das bislang nur wenig erforschte Spätwerk des expressionistischen Künstlers Edvard Munch, das im Vordergrund der Schirn-Ausstellung stehen wird. Über 140 Werke werden in der Frankfurter Kunsthalle zu sehen sein, circa 60 Gemälde und 20 Arbeiten auf Papier, dazu 50 Fotografien in Originalabzügen und vier Filme des Multi-Talents.
Die Schau unter dem Titel „Der moderne Blick" will eine neue Sicht auf das Schaffen des Künstlers bieten. „Sie zeigt, dass Munch nicht nur ein Künstler des 19., sondern ebenso des 20. Jahrhunderts war", so Markus Farr, Pressereferent der Schirn Kunsthalle.
„Im Zentrum wird Munchs Auseinandersetzung mit modernen Aufnahmetechniken wie Fotografie und Film oder der intimen Theaterbühne stehen und in welchem Maße er spezifisch fotografische oder filmische Kompositions- und Erzählformen, Posen und selbst Effekte in seine Malerei übernimmt". Die Ausstellung zeige Munch auf der Höhe der ästhetischen Debatten seiner Zeit und dass er sich ständig im Dialog mit den neuesten Darstellungsformen befunden habe.
Seine Fotografien und Filme stammen aus der Sammlung des Munch-Museums in Oslo und werden von den Kuratoren der Ausstellung, Angela Lampe und Clément Chéroux, als eigene Werkgruppe präsentiert und mit dem malerischen Schaffen des Künstlers in Zusammenhang gebracht.
Visuelle Autobiografie
Die Schau ist in elf Räume und neun thematische Bereiche aufgegliedert und zeigt neben Studien über Fotografie und Film sowie Bühnenbildern auch den Einfluss seiner Lektüre von Illustrierten und seines naturwissenschaftlichen Interesses auf sein Werk. Besonders die Selbstbildnisse ziehen sich wie ein roter Faden durch das künstlerische Werk Edvard Munchs.
Bis zu seinem Tod hat er in mehr als 70 gemalten und 20 grafischen Arbeiten sowie in über 100 Zeichnungen, Aquarellen und Skizzen seine „visuelle Autobiographie", so Farr, erschaffen. Auffallend ist dabei, dass Munch im 19. Jahrhundert nur fünf Selbstbildnisse von sich schuf.
Zwischen 1900 und 1944 stieg die Zahl rasant an. Ab 1902 begann er, mit einer kleinen Kamera Selbstportraits von sich zu schießen. Dabei habe er die Kamera in der ausgestreckten Hand wie einen Spiegel vor sein Gesicht gehalten, „einer Geste, die stark an moderne Handyfotos erinnert", so Farr. Edvard Munchs Freund Rolf Stenersen beschrieb diesen Drang nach Selbstportraits einmal so: „Als hätte er sich dazu entschlossen, die Wirkung der vergehenden Zeit aufzuzeichnen, schuf er jedes Jahr ein Selbstportrait."
Kopien, Neubearbeitungen und Variationen
„Ein weiteres Markenzeichen des späten Munch und faszinierender Aspekt der Ausstellung sind die zahlreichen Wiederholungen von Sujets", erklärt Markus Farr. Edvard Munch sei in Kopien, Neubearbeitungen und Variationen oft nach Jahren und Jahrzehnten immer wieder zu bestimmten Themen zurückgekehrt, die er in Zeichnungen, Fotografie, Malerei, Grafik und sogar Bildhauerei verarbeitet habe. So prägten allein sechs Wiederholungen von „Das kranke Kind", sieben von „Mädchen auf der Brücke" und zehn von „Vampir" sein Schaffen.
Munchs wohl berühmtestes Werk „Der Schrei" wird nicht in der Schirn zu sehen sein. Die bekannte Fassung (Munch verfasste mehrere Werke unter diesem Titel) wurde am 22. August 2004 bei einem bewaffneten Überfall aus dem Munch-Museum in Oslo gestohlen und erst zwei Jahre später von der norwegischen Polizei bei einer Razzia sichergestellt. Allerdings in einem Zustand, der eine vollständige Restaurierung nicht mehr möglich machte. Bei einem weiteren Attentat auf das Bild zerschlitzte ein Angreifer das Bild mit einem Messer - die Spuren sind auf dem Bild heute noch zu sehen. Seit Mai 2008 ist „Der Schrei" mit seinen „Narben" wieder in Oslo ausgestellt.
Bahnbrecher des Expressionismus
Dass eher schwere und dunkle Themen Munchs Werk prägten, ist kein Zufall. Munch, der 1863 in Norwegen geboren wurde, verlor seine Mutter, als er fünf Jahre alt war; 1877 starb seine ältere Schwester Sophie an der Schwindsucht. Tod und Krankheit begleiteten seine Familie und beeinflussten das Werk des Künstlers ebenso wie seine manisch-depressive Störung.
Nachdem sein Vater 1889 starb, begann Munch, mit einem expressiven Symbolismus seine Erlebnisse künstlerisch darzustellen. Er fand Metaphern und Bildformeln für seine Gefühle und wurde so zu einem Bahnbrecher des Expressionismus. Allerdings hatte er, trotz seines Erfolges zu Anfang des 20. Jahrhunderts, zunehmend psychische Probleme und wurde alkoholabhängig. Nach einem Zusammenbruch und mehreren Monaten in Behandlung zog Munch 1908, nach Stationen in Berlin und Paris, wieder nach Norwegen, wo er am 23. Januar 1944 starb.
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| Schirn Kunsthalle Frankfurt |
18.01.2012
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